Gottesdienst

Jesu Gleichnis vom Kornbauer


Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!

 

Nicht nur zum Erntedankfest sind wir darauf angewiesen Vorräte anzulegen, uns mit der Zukunft zu beschäftigen,
Vorsorge zu betreiben und nachhaltig zu wirtschaften, nicht von der Hand in den Mund zu leben. Letztlich war das auch zur Zeit Jesu so.
Dürren bedrohten die Ernte und damit das Überleben, immer wieder spülten Gewitterregen Äcker, ja sogar Häuser weg. Die Bibel erzählt davon. Und doch ist Jesus misstrauisch gegenüber denen, die dieses Raffen und Aufhäufen zu ihrem Hauptlebensziel machen und deren Blick sich einengt nur auf den eigenen Weg, das eigene Fortkommen, den eigenen Gewinn. Dadurch gerät alles aus dem Blick, was Jesus „Schätze im Himmel“ nennt oder „reich sein bei Gott“, ein grundsätzlicheres Ziel im Leben und einen Sinn unseres Daseins.
Dass mich materielle Dinge vom Wesentlichen ablenken, muss nicht so sein und ist eigentlich auch nicht auf Reiche beschränkt. Es gibt Leute, die mit ihrem Reichtum sehr offen und auch freigiebig umgehen und es gibt Menschen, die materiell zu kämpfen haben und die darum sehr fixiert auf Wohlstand und Sicherheit sind. Sie alle meint Jesus. Wer sich finanziell sicher fühlt, hat darum noch nicht den Sinn des Lebens, eine Gottesbeziehung, die das Leben stützt.

 

Erntedankfest
ist die Erleichterung, dass , wenigstens die nahe Zukunft gesichert ist mit Lebensmitteln. Wir könnten heute auch andere uns geschenkte Lebensmöglichkeiten ergänzen, sie schließen den Frieden, eine funktionierende Gesellschaft und eine lebenswerte Umwelt ein. Es gibt jedes Jahr zu danken, aber es gibt auch jedes Jahr Situationen, die wir nicht bewältigen konnten. Und viele sind auch frustriert und niedergeschlagen, wenn sie auf ihre Lebenssituation sehen.
Darum ist der Dank nie ohne Einschränkung, auch wenn das ein wenig undankbar klingt. Denn die Angst und die Sorge bleiben, wenn es uns gut geht. Aber beides, die Sorge und die Zufriedenheit soll uns nicht als Ganzes gefangen nehmen.
So geht es dem, der sich Schätze sammelt und nicht reich bei Gott ist. Jesu Warnung am Schluss ist schwer zu verkraften und dennoch wahr.
Es gilt, nach allen Seiten den Blick offen halten! Nach oben, dass ich mir von Gott etwas sagen lasse und nicht nur die eigenen Vorurteile pflege. Nach rechts und links, denn dort sind andere mit ihren Lebenssituationen,
die mich nicht kalt lassen können.
„Geht mich nichts an“ - gibt es nicht. Es ist eher unsere nicht ganz leichte Aufgabe, Kontakt zu pflegen ohne aufdringlich zu sein. Wir hier in Deutschland stehen vor der Aufgabe, dass wir uns bewahren, nicht anonym und einsam leben zu müssen und es auch anderen ersparen können.
An diesem Reichtum dürfen wir weiterbasteln auch in diesem Herbst.


Es grüßt Sie

Ihr Pfarrer Reinhard Caesperlein

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